Stockstädter wollen mehr Schutz vor Bahnlärm

Schulterschluss mit Mainaschaff und Aschaffenburg
Unterschriftenaktion gestartet

Zahlreiche Bürger Stockstadts, vorwiegend Anwohner in der Nähe zur Bahnstrecke Darmstadt-Aschaffenburg, waren zu den beiden Veranstaltungen der SPD nördlich und südlich der Schienen am 8.Juni gekommen.
Die Reden und Diskussionen wurden immer wieder von vorbeifahrenden Zügen unterbrochen, sinnbildlich für die Situation in der Ortsmitte.

Gemeinderatsmitglied und Bürgermeisterkandidat Thomas Barko hatte zu Beginn deutlich gemacht, dass Bahnlärm keine Worthülse im Kampf um mehr Ruhe sei. "Bahnlärm macht krank. Experten sind sich einig, bei 70dB am Tag und 60dB in der Nacht ist Lärm gesundheitsgefährdend." Wenngleich die Bahn als umweltbewusstes Verkehrsmittel gelte, trage sie hier besondere Verantwortung.

Möglichkeiten zur Lärmreduzierung gibt es genügend

Umso kritischer ist deren bisherige Haltung zu sehen, die den Lärmschutz entlang der bestehenden Bahnanlagen nur als freiwillige Leistung ansieht - nach dem Motto "Die Bahn war zuerst da." Dagegen gibt es genügend Möglichkeiten, den Bahnlärm aktiv zu reduzieren. So ist beispielsweise eine Geräuschreduzierung allein durch Reduzierung der Bremsanlagen um bis zu 10dB möglich, die Modernisierung des Gleisbetts und insbesondere der Güterzugwagen bergen weiteres Potential. Eine Geschwindigkeitsreduzierung wurde in der Vergangenheit aus Gründen der Wirtschaftlichkeit abgelehnt.

Nur politischer Druck kann etwas bewirken

Allein 130 mal fahren täglich Züge durch Stockstadt, davon zwei Drittel besonders lärmintensive Güterzüge. Über 45 mal davon zwischen 22:00 und 06:00 Uhr. "Bis 2025 soll allein der Güterverkehr auf dieser Strecke um 30 Prozent zunehmen",zitierte Thomas Barko die Prognose der Bahn. Messungen im Mai 2012 ergaben für den Grabenweg bzw. die Ulmenstraße in Stockstadt einen errechneten Dauerschallpegel von über 70dB in der Nacht. Eine Veränderung zum Positiven ist nicht in Sicht.
Nur politischer Druck kann etwas bewirken. Der Planungsbeginn für einen Lärmschutzaktionsplan ist frühestens in fünf Jahren möglich, mit daraus resultierenden Umsetzungen kann nicht vor zehn Jahren gerechnet werden. Doch die Gesundheitsgefährdung ist bereits heute gegeben.

Mobilisierung der betroffenen Bürger das Wichtigste

Druck auf die Politik, das ist auch die Erkenntnis, die Heinz-Günter Otto in seiner Rede vermittelte. Der Sprecher der Bürgerinitiative gegen Bahnlärm in Mainaschaff war eingeladen, um seine Erfahrungen weiter zu geben. So komme dem Engagement der betroffenen Bevölkerung und deren Motivation ganz besondere Bedeutung zu. Wichtig sei zudem, dass hinter den Forderungen eine breite Interessenvertretung stehe. In Mainaschaff ist es der Bürgerinitiative gelungen, über Parteigrenzen hinweg die Menschen zu mobilisieren und mit dem Bürgermeister auch den offziellen Vertreter der Gemeinde gewonnen zu haben.

SPD für überparteiliche Initiative

Insofern empfiehlt Otto auch für Stockstadt, sich in einer Bürgerinitiative zu organisieren und mit den anderen Bahnanrainern und Initiativgruppen eng zusammen zu arbeiten und den Schulterschluss zu suchen. Das unterstrich auch Thomas Barko, der die Veranstaltungen der SPD als Auftakt dafür sah, eine überparteiliche und von den betroffenen Bürgern getragene Initiative ins Leben zu rufen. Diskussionsbeiträge der Besucher an diesem Samstag teilten die Meinung und lassen darauf hoffen, dass der Funke übergesprungen ist.

Diskussion muss intensiviert werden

Mit der Sammlung von Unterschriften will die SPD die Diskussion auch im Gemeinderat und in der Verwaltung intensivieren. So soll die Marktgemeinde in Gesprächen und Verhandlungen mit der Bahn deutlich machen, dass die Bürgerinnen und Bürger Stockstadts eindeutige Lösungen auf Basis eines zeitlich verbindlichen Plans erwarten, die zur Lärmminderung beitragen. Damit die Gemeinde im Sinne der betroffenen Bürger aktiv werden kann, wurden auf Antrag der SPD Mittel in Höhe von 20.000 Euro für notwendige Gutachten und Planungen bereits im Haushalt 2013 eingestellt.

Schon im Oktober 2011 hatte die SPD-Gemeinderatsfraktion Auskunft über die Stockstadt betreffenden Daten und Fakten zum Bahnlärm gefordert. Dieser Antrag ist im folgenden Dokument nachzulesen:
Antrag zur Beschleunigung von Maßnahmen zur Lärmreduzierung entlang der Bahnstrecke Aschaffenburg - Darmstadt (PDF, 103 kB)

Die Unterschriften liegen bis auf weiteres aus bei folgenden Geschäften und Betrieben in Stockstadt:

Castell-Apotheke,
Schreibwaren Zang,
mein Buch-Laden,
Blumen-Studio Ellen Sauer,
Praxis Dr.Brückner,
Hotel Brößler,
Post/Fan-Artikel Herbrik,
Metzgerei Zang,
Cafe Debor,
Anne Weigel Praxis für Physiotherapie,
Raiffeisenbank.

Stockstadt, 11.6.2013